Das Coupé

Die Geschichte des Coupés

 

Vorgestellt wurde der unter Leitung von Chefkonstrukteur Ing. Schmidt und seinen Mitarbeitern des Karosseriewerks Dresden geschaffene Wagen auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1957. Es war die letzte Sportwagenschöpfung der einst so berühmten Firma Gläser. Allerdings blieb das Fahrwerk mit den Grundmaßen unverändert, im Fond war durch die geänderte Karosserieform daher wenig Platz. Die Karosserieteile, die verändert werden mussten, presste man in Bernsbach im Erzgebirge (früher die renommierte Firma Schneider & Korb) aus Blech. Natürlich war der Wagen auch für den Export gedacht und erhielt auch daher eine sehr hochwertige Ausstattung (Kurbelfenster, Echtlederausschlag, von außen zugänglicher Kofferraum, Motorhaube mit Fernentrieglung,...).

Testbericht aus Der Deutsche Straßenverkehr 12-1957

Die Fahrgestelle und Duroplastteile kamen aus Zwickau von AWZ, die auch den Auftrag für die Entwicklung des Coupes gaben. Der Karosseriebau und die Endmontage erfolgten dann bei KWD. Es sollen ca. 1.500 Fahrzeuge, weitgehend handwerklich, gefertigt worden sein. Die Bauzeit war von 1957 bis zum Ende der P70-Produktion im 1. Halbjahr 1959.

Karosserieaufbau

Limousine und Kombi hatten nach F8-Vorbild einen kompletten Holz-Karosseriekäfig, auf den die Duroplastteile aufgenagelt waren. Es gab nur wenige Blechteile, wie die Radkästen und die seitlichen Stehbleche im Motorraum.

Beim Coupe änderte man die Karosserie erheblich. Bis zur Hinterachse bestand der Wagen nun fast komplett aus Stahlblech und hatte nur einzelnen Holzverstärkungen um Heck- und Frontscheibe, innen umlaufend um die Dachkante bis zu den hinteren Radkästen und von den vorderen Radkästen kommend quer hinter dem Armaturenbrett.

Der Unterboden bis zur Hinterachse besteht aus zwei Sperrholzplatten, die im vorderen Bereich überwiegend vernietet und hinten auch genagelt sind. Der Kofferraumboden besteht aus Stahlblech, welches über Holzträger mit den Radkästen vernagelt ist. Die äußeren Konturen des Kofferraumbodens bestehen aus Holz und von der C-Säule läuft auf beiden Seiten ein Holzträger nach hinten auf dem die hinteren Kotflügel sowie das Heckblech genagelt sind.

Folgende Karosserievarianten ließen sich feststellen:

 

Bauteile 1957 ab 1958
Kofferraumboden flacher Kofferraumboden mit darunter angeschraubten, separaten Reserveradbehälter tiefer Kofferraumboden ohne Reserveradbehälter, Rad stehend im Kofferraum
Stoßstange hinten 3-teilig, Mittelteil klappbar zur Entnahme des Reserverads aus dem Behälter durchgehend, einteilig
Türen Türgestell mit Duroplast-Außenhaut, äußeres Profil am Fensteraustritt mit Holzverstärkung Tür komplett aus Blech gefertigt, keine Holzverstärkung
Motorhaubenscharnier Blechführung für Haubenbügel angeschweißt Scharnier geschraubt
Rahmenausleger unten offen, am Ende zum Rohr geformt für Wagenheber unten mit gelochtem Blech verschlossen, Wagenheberaufnahme durch Blechwinkel
     
     
     
     
     
     
     
     
     

 

 

57er Fahrzeuge trugen noch das AWZ-Zeichen. Nach dem Zusammenschluss im Mai 58 gab es dann das Sachsenring-Symbol.

Bei einem im September 2009 in der Restaurationswerkstatt von Herrn Ungethüm in Zwickau besichtigten Coupe war die Karosseriestruktur noch deutlich abweichend von den Serienmodellen aus dem Karosseriewerk in Dresden. Bei diesem Fahrzeug waren die Schweller und der vordere, untere Querträger aus Holz, die Spitzwand war daran vernagelt. Auch an einigen anderen Stellen unterschied sich das Fahrzeug deutlich. Es besteht die Vermutung, dass es sich dabei um ein in Zwickau hergestelltes Fahrzeug handelt, eventuell eines der ersten Exemplare. Ich hoffe, dass ich von diesem Fahrzeug demnächst auch Bilder zeigen kann.

Bezüglich des äußerlich überarbeiteten Coupés aus der Fachliteratur konnte folgendes in Erfahrung gebracht werden:

Dieses spezielle, sportliche Fahrzeug war ein normales P 70 Coupé, das nach einem Entwurf des Chefkonstrukteurs des VEB Karosseriewerk Dresden für eine Filmproduktion der DEFA soweit verändert wurde, dass es nicht mehr als P 70 zu erkennen war.

Eventuell sind sogar zwei Fahrzeuge angefertigt worden. Der Verbleib ist bisher unbekannt.